Lesefreaks im Vormarsch

Im März 2007 stellte ich meine Buchserie erstmals der Öffentlichkeit mit einem eigenen Messestand auf der Leipziger Buchmesse vor. 22.03.2007, 09:56 Uhr: Ich bin wirklich aufgeregt. So viele Monate der Vorbereitung, vier Tage und über 120.000 Besucher vor mir. Der einzige Autor unter mehr als 2.000 Verlagen. 09:58 Uhr: Kommt meine Serie bei den Kinder gut an? 10:00 Uhr: Es ist soweit. Die Tore der Buchmesse öffnen sich. Wie bei einer Explosion stürmen die Besucher die Messehallen.

 

Lesefans

Zuerst laufen viele orientierungslos hin und her. 10:10 Uhr: Ein Vater steht mit seiner Tochter an meinem Messestand. Ich erzähle über meine Buchserie. Die Augen des Mädchens leuchten. Dieser Moment macht die ganzen Anstrengungen vergessen. Der Vater macht sich auf den Weg in die Messebuchhandlung, um das Buch zu kaufen. 13:35 Uhr: Für eine Mittagspause ist keine Zeit. Fast ständig sind Kinder an meinem Stand. Alle lesen gerne. Alle sind begeistert, einen Buchautor persönlich kennenzulernen.

 

Lesefreaks

14:15 Uhr: Eine Mutter betrachtet mit ihrem Sohn meinen Messestand: „Das Buch sieht sehr interessant aus. Wie viele Seiten hat es denn?“ Ich bin etwas verwirrt: „Äh … 160 Seiten.“ Die Mutter wirft mir einen abschätzigen Blick zu: „Das hat mein Thomas in zwei Stunden ausgelesen. Aber wir kaufen es trotzdem.“ Die beiden gehen zur Messebuchhandlung. Ich bleibe verwirrt zurück.

 

Sollte lesen nicht einfach Spaß machen?

2 Stunden? Worum geht es hier? High-Speed-Lesen? Lesen als Spitzensport – das war eine neue Erfahrung für mich. Ich lese, weil es mir Spaß macht, weil ich beim Lesen selbst bestimmen kann, wie schnell die Geschichte in meinem Kopf voranschreitet, und nicht, um einen Rekord zu erzielen. 14:25 Uhr: Ich brauche eine Pause und stelle ein Schild „Bin gleich zurück“ auf. Das sollte nicht der letzte „Lesefreak“ in den nächsten Tagen sein.



Dieser Artikel ist ursprünglich im Magazin „Lernen mit Zukunft“, Ausgabe August 2016, erschienen.